Wie Kalender auf Android funktionieren
Wenn du eine neue Kalender-App installierst, tauchen deine Termine sofort auf – oder der Bildschirm bleibt leer und die App fragt nach einer Berechtigung. Beides wirkt erst mal rätselhaft. Diese Seite erklärt in einfachen Worten, was auf deinem Handy tatsächlich passiert, warum die Kalenderberechtigung nötig ist und wo deine Termine wirklich liegen.
Kein Vorwissen nötig. Wenn du danach entscheiden willst, wie du deine Termine künftig speicherst, hilft dir der Vergleich am Ende.
Die App ist nicht dein Kalender
Der wichtigste Punkt zuerst, weil alles andere daraus folgt: Deine Termine gehören nicht der App, in der du sie ansiehst.
In der Grafik oben ist das der große orange Kasten in der Mitte: Android hat einen eingebauten Terminspeicher – eine Art gemeinsames Adressbuch, nur eben für Termine. Er gehört zum Betriebssystem, nicht zu einer bestimmten App. Jede Kalender-App ist lediglich ein Fenster auf diesen Speicher: Sie zeigt dir, was darin steht, und schreibt hinein, was du eingibst. Deshalb führt von den Apps auch kein Pfeil dorthin, sondern nur eine gepunktete Blickachse – es wandert nichts, es wird angesehen.
Genau deshalb sind Google Kalender, die vorinstallierte Kalender-App deines Herstellers und TopCal keine Konkurrenten um deine Daten. Sie schauen alle in denselben Schrank.
Was das für dich bedeutet
- Mehrere Apps, dieselben Termine. Du kannst mehrere Kalender-Apps parallel benutzen. Ein Termin, den du in der einen anlegst, steht Sekunden später in der anderen – ohne Export, ohne Umzug.
- Eine App zu deinstallieren löscht keine Termine. Gefällt dir TopCal nicht, deinstallierst du es und deine Termine sind unverändert da. Du gehst also kein Risiko ein, wenn du eine neue Kalender-App ausprobierst.
- Es gibt nichts zu importieren. Eine neue Kalender-App muss deine Termine nicht „holen“. Sie sind schon da – sobald sie hineinsehen darf.
- Wo die Termine gespeichert werden, entscheidest du woanders. Nämlich in den Konten deines Geräts, nicht in der Kalender-App. Dazu weiter unten mehr.
Warum TopCal die Kalenderberechtigung braucht
Weil der Terminspeicher dem System gehört und nicht der App, darf keine App einfach so hineinsehen. Android verlangt, dass du das erlaubst. Deshalb fragt TopCal beim ersten Start danach.
Die Berechtigung ist eine Tür zwischen App und Terminspeicher – mehr nicht. Konkret heißt das:
- Was sie erlaubt: die Termine auf deinem Gerät anzuzeigen, zu ändern und neue anzulegen.
- Was sie nicht bedeutet: keinen Zugriff auf Nachrichten, Fotos, Standort oder das Internet-Konto irgendeines Anbieters. Sie öffnet genau diese eine Tür.
- Was TopCal damit tut: anzeigen und bearbeiten. TopCal legt keine eigene Kopie deiner Termine an und sendet sie nirgendwohin.
- Du kannst sie jederzeit zurücknehmen – in den Android-Einstellungen unter Apps → TopCal → Berechtigungen.
Was TopCal mit den Daten macht und was nicht, steht ausführlich in der Datenschutzerklärung.
Wo deine Termine wirklich liegen
Im Terminspeicher deines Geräts liegt nicht ein einziger großer Kalender, sondern mehrere – und jeder gehört zu einem Konto. Das Konto entscheidet, ob ein Termin nur auf diesem Gerät existiert oder zusätzlich auf einem Server im Internet liegt und dadurch auf deinen anderen Geräten auftaucht. Drei Fälle kommen in der Praxis vor:
- Nur auf dem Gerät (lokaler Kalender). Termine bleiben auf genau diesem Handy. Maximal privat, aber auch: bei Geräteverlust weg, wenn du kein Backup hast, und auf dem Tablet nicht sichtbar.
- Über ein Google-Konto. Hast du dein Handy mit einem Google-Konto eingerichtet, ist meist automatisch ein Google-Kalender dabei. Die Termine liegen auf Googles Servern und sind überall verfügbar, wo du dich anmeldest.
- Über einen CalDAV-Kalender. CalDAV ist ein offener Standard, mit dem Termine mit fast jedem beliebigen Server abgeglichen werden können – dem deines Mail-Anbieters, dem deiner Firma oder einem, den du selbst betreibst.
Diese Konten richtest du in den Android-Einstellungen ein, nicht in TopCal. TopCal zeigt anschließend alles an, was dort eingerichtet ist – und du wählst beim Anlegen eines Termins aus, in welchen dieser Kalender er soll.
Google Kalender oder CalDAV?
Das ist die eigentliche Entscheidung – in der Grafik oben geht es um die beiden Kästen außerhalb des Handy-Rahmens und darum, welches Konto überhaupt eine Leitung dorthin hat. Sie betrifft nicht die App, sondern den Speicherort; mit TopCal funktioniert beides gleich gut. Kurz vorweg, was CalDAV überhaupt ist:
CalDAV ist eine offene, öffentlich dokumentierte Spielregel dafür, wie ein Gerät Termine mit einem Server abgleicht. (Der Name kommt von WebDAV, einer älteren Technik zum Ablegen von Dateien auf einem Server; CalDAV erweitert sie um Termine.) Entscheidend ist: Der Standard gehört keiner Firma. Jeder darf einen Server dafür betreiben – und weil alle dieselbe Sprache sprechen, kannst du den Anbieter wechseln, ohne deine Termine zu verlieren.
| Google Kalender | CalDAV | |
|---|---|---|
| Einrichtung | Meist schon erledigt – das Google-Konto ist auf den meisten Android-Geräten ohnehin eingerichtet. | Ein paar Schritte mehr: Anbieter wählen, Zusatz-App installieren, Zugangsdaten eintragen. |
| Zusatz-App nötig? | Nein. | Ja. Android kann CalDAV nicht von Haus aus. Du brauchst eine Sync-App wie DAVsky (siehe unten); die bewährte, quelloffene Alternative ist DAVx⁵. |
| Wo liegen die Daten | Auf Googles Servern. | Bei dem Anbieter, den du aussuchst – oder auf deinem eigenen Server. |
| Anbieterwechsel | Möglich, aber mit Export und Umzug verbunden. | Eingebaut: Alle Server sprechen denselben Standard. |
| Einladungen & geteilte Kalender | Sehr ausgereift, auch mit Teilnehmern außerhalb. | Funktioniert, hängt aber stark vom Anbieter ab. |
| Kosten | Kostenlos. | Der Server kostet je nach Anbieter etwas (oft im Mail-Paket enthalten). Dazu die Sync-App auf dem Handy: DAVsky bekommst du über den Play Store. Die bewährte Alternative DAVx⁵ ist im Play Store einmalig kostenpflichtig, über den App-Laden F-Droid kostenlos – dieselbe quelloffene App, der Kauf unterstützt die Entwicklung. |
| Wer kümmert sich | Google – Verfügbarkeit und Sicherung inklusive. | Dein Anbieter. Bei einem selbst betriebenen Server: du. |
Was DAVsky eigentlich macht
DAVsky wird leicht für eine Kalender-App gehalten – ist aber keine. Es zeigt dir keine Termine an. Es ist der Übersetzer zwischen deinem CalDAV-Server und dem Terminspeicher von Android: Es legt ein Konto auf deinem Gerät an, holt die Termine vom Server und trägt sie in den Speicher ein – und schickt deine Änderungen zurück.
Damit ist DAVsky das beste Beispiel für den Punkt ganz oben auf dieser Seite: Sobald es eingerichtet ist, sehen alle Kalender-Apps auf deinem Gerät die CalDAV-Termine – auch TopCal, ohne dass wir irgendetwas dafür tun müssten. Du richtest DAVsky einmal ein und rührst es danach kaum wieder an. DAVsky bringt außerdem abonnierte Kalender (ICS-/Webcal-Feeds, etwa Feiertage oder ein Spielplan) an denselben Ort – etwas, das früher eine zweite App verlangte.
Lieber quelloffen? Dann ist DAVx⁵ die bewährte Alternative, seit Jahren im Einsatz und über F-Droid kostenlos. Für die abonnierten Kalender gibt es dort die Schwester-App ICSx⁵ – bei DAVsky ist das schon eingebaut. Beide Wege führen zum selben Ergebnis: die Termine landen im Kalenderspeicher, und TopCal zeigt sie an.
Am Rande: Auch Google selbst lässt sich per CalDAV anbinden, aber nur eingeschränkt – Google unterstützt das nicht offiziell, und Aufgaben werden dabei nicht übertragen. Wer ein Google-Konto nutzt, fährt mit der normalen Google-Anbindung besser.
Die ehrliche Kurzfassung
Für Google spricht die Bequemlichkeit. Es ist bereits da, funktioniert zuverlässig, überlebt jeden Geräteverlust und macht Einladungen mit anderen Menschen mühelos. Für die meisten ist das die richtige Wahl, und es ist keine schlechte.
Dagegen spricht das, was man beim Wort „kostenlos“ mitbedenken sollte. Drei Punkte, kurz und ohne Panikmache:
- Google sagt vor allem, was es nicht tut. Für Werbung nutze man Kalenderinhalte nicht, schreibt Google – und das ist eine klare Zusage. Sie sagt aber nicht, was mit den Daten sonst geschieht. „Nicht für Werbung“ heißt nicht „nur aufbewahrt“. Was du bekommst, ist ein Versprechen des Unternehmens, keine technische Garantie.
- Die Termine sind nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Sie sind unterwegs und auf der Festplatte geschützt, aber auf dem Server liegen sie im Klartext vor. Lesbar sind sie damit grundsätzlich für den Anbieter selbst, für Behörden auf rechtlichem Weg, und für jeden, der an dein Konto kommt oder in den Anbieter einbricht. Anders als bei einem Messenger mit echter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt dich hier keine Technik, sondern eine Zusage.
- In deinem Kalender stehen auch andere Menschen. Namen, Telefonnummern, der Therapietermin deines Kindes, das Treffen mit einer Bewerberin. Diese Menschen haben nie zugestimmt, dass ihre Angaben auf den Servern eines Konzerns landen – und sie werden nicht gefragt. Wer beruflich mit sensiblen Terminen zu tun hat, sollte das ernst nehmen.
Für CalDAV spricht, dass du diese Wahl überhaupt hast – und zwar konkret: ein Anbieter, dessen Geschäftsmodell das Bezahlpaket ist und nicht die Auswertung von Daten; ein Anbieter unter europäischem Recht; der Server des Vereins oder der Firma; oder eine eigene Maschine zu Hause, bei der niemand außer dir mitliest. Der Standard bleibt in allen Fällen derselbe, also bleibt auch der Umzug jederzeit möglich.
Dagegen spricht der Aufwand. Du brauchst einen Anbieter, eine Zusatz-App und fünfzehn Minuten Geduld bei der Einrichtung. Und du bist dafür verantwortlich, dass dein Anbieter etwas taugt – Sicherungen inklusive.
Was passt zu dir?
Nimm Google Kalender
wenn du …
- ohnehin ein Google-Konto auf dem Handy hast
- häufig Termine mit anderen abstimmst und Einladungen verschickst
- dich um nichts kümmern willst
- gerade erst anfängst – wechseln kannst du später immer noch
Nimm CalDAV
wenn du …
- selbst bestimmen willst, wo deine Termine liegen
- bereits einen Mail-Anbieter nutzt, der Kalender anbietet
- dich nicht dauerhaft an ein Unternehmen binden möchtest
- eine eigene Cloud betreibst